Schwanger? Gönn dir Datteln!

Es ist eine gängige Empfehlung, in der Spätschwangerschaft täglich Datteln zu essen, da dies die Geburt erleichtern soll. Außerdem werden Schwangeren verschiedene Tees, Akupunktur, Leinsamen, (Industrie-) Zuckerverzicht, Heublumenbäder, Dammmassage und vieles Weiteres empfohlen – da fällt es manchmal schwer, den Überblick zu behalten.

Ich möchte mir diese Empfehlungen einzeln vorknöpfen. Ich habe keine Zweifel, dass Dammmassage, Zuckerverzicht und Akupunktur positive Auswirkungen auf die Geburt haben. Und ich weiß, dass Leinsamen grundsätzlich und in jeder Lebenslage – egal ob Schwanger, Nicht-Schwanger, Frau, Mann, Divers, alt, jung… – sehr, sehr wertvoll für die Gesundheit sind und daher jeden Tag in die Ernährung integriert werden sollten.

Aber Datteln? Tragen sie wirklich zu einem positiven Geburtserlebnis bei? Oder ist das nur Humbug?

Ich habe recherchiert und die Antwort ist: JA! Datteln sind grandiose, kleine, süße und mächtige Geburtshelferchen! Aber ich will nicht spoilern – lest selbst.

Datteln und die Reifung des Muttermundes

Schon vor dem Einsetzen der Wehen lässt sich der voraussichtliche Geburtsmodus anhand der Zervixreifung einschätzen: Ein reifer Muttermund begünstigt eine vaginale Geburt und verringert das Risiko eines Kaiserschnitts. Daher wird die Muttermundreifung manchmal auch medikamentös unterstützt – beispielsweise mit Oxytocin. Leider bringt dies in manchen Fällen auch unerwünschte Nebenwirkungen mit sich, die Mutter und Kind gefährden können. Es wächst also das Interesse an nicht-medikamentösen, natürlichen Wirkstoffen wie Rizinusöl, Nachtkerzenöl, Himbeerblättern, Kräutern und Datteln.

So ergab zum Beispiel eine randomisierte, klinische Studie aus dem Jahr 2014 mit 210 schwangeren Frauen (alle Erstgebärend), dass der regelmäßige Konsum von Datteln die Zervixreifung erheblich verbessert. Die Frauen wurden in zwei Gruppen zu je 105 Teilnehmerinnen unterteilt. Die eine Gruppe – ich nenne sie jetzt mal die Dattel-Esserinnen – sollten ab der 37. Schwangerschaftswoche und bis zur Entbindung täglich etwa sechs Datteln pro Tag (bzw. ca. 75g) essen. Die andere Gruppe war die Kontrollgruppe (ihnen wurden keine Datteln verordnet): Sie wurde routinemäßig versorgt. Die Dattel-Esserinnen sind fleißig ihrer Aufgabe nachgegangen und schließlich kam bei allen Frauen der Tag X – die Geburt. Anhand des sogenannten Bishop-Scores wurde die Geburtsreife des Muttermundes gemessen. Und oha – Dattel-Esserinnen hatten messbar reifere Muttermünder!

In der Studie wurde außerdem festgehalten, dass der Verzehr von Datteln die Schmerzschwelle erhöht und Wehen beschleunigt. Auch keine schlechten Nebeneffekte! (1)

Die Geburtseinleitung – der schnelle Weg zum Glück?

Trotz sinkender Geburtenzahlen nimmt die Häufigkeit von Geburtseinleitungen stetig zu. Die Geburtseinleitung ist mittlerweile eine der häufigsten geburtshilflichen Maßnahmen. Aber ist das ein guter Trend? Nun, auf den ersten Blick klingt es ja nicht schlecht: Dank Geburtseinleitung eine schnelle Geburt am Wunschtermin. Ähnlich wie bei Wunschkaiserschnitten, die in den letzten Jahren ebenfalls deutlich gestiegen sind. Die elektive Geburtseinleitung verspricht Schwangeren also eine vaginale Geburt am Wunschtermin.

Es bleibt ein großes Problem der Medizin, dass für Aufklärung und Information zu wenig Zeit – und Geld – gegeben wird. Schwangere werden also oft unzureichend über mögliche Risiken und Komplikationen einer elektiven Geburtseinleitung oder Wunschkaiserschnitt aufgeklärt.

Ich möchte aber betonen: Der Kaiserschnitt und die Geburtseinleitung können bei Geburtspathologien wertvolle und lebensrettende Maßnahmen sein! Die medikamentöse Geburtseinleitung ist bei umsichtiger Anwendung sicher – aufgrund gewisser Risiken wird aber dringend geraten, dass sie ein Mittel für den Notfall bleibt.

Die elektive Geburtseinleitung bewirkt leider keine schnelle, einfache Geburt. Im Gegenteil – sie bringt ernstzunehmende Risiken und manchmal schwerwiegende Komplikationen für Mutter und Kind mit sich. Einleitungen sind eine ernste Angelegenheit. Nicht zuletzt berichten viele Frauen von unglaublich schmerzhaften Wehen durch die Einleitung, was sie so nicht erwartet hatten und nicht darüber aufgeklärt wurden. Und gar nicht so selten endet eine frustrane Geburtseinleitung dann doch noch in einer sekundären Sectio. Was übrig bleibt sind traurige, manchmal traumatisierte Frauen, die zutiefst unglücklich mit ihrer Geburtserfahrung sind.

Aber jetzt zur guten Nachricht: Interessanterweise wird die Notwendigkeit, Wehen mit Medikamenten einzuleiten und zu verstärken, durch Datteln reduziert. Bei bis zu 50% der Geburtseinleitungen liegt eine unreife Zervix vor – und wie wir bereits gelernt haben, verbessern Datteln die Zervixreifung. Macht also durchaus Sinn, dass wir so auch weniger Einleitungen haben.

Dies wurde in vielen weiteren Studien untersucht: Im Vergleich zu Kontrollgruppen wurden Dattelesserinnen bei der Geburt weniger Wehenverstärker gegeben, es wurde seltener medikamentös eingeleitet und es besteht ein Zusammenhang mit einer Reduktion des Bedarfs von wehenfördernden Mitteln. Die Zervixreifung war bei Dattelesserinnen fortgeschrittener und die Wehendauer kürzer. Die Geburtsverläufe von Dattel-Esserinnen waren insgesamt günstiger. Okay, ich wiederhole mich, aber es ist einfach so spannend.

Die Forschergruppen schlussfolgern schließlich, dass der Verzehr von Datteln in der Spätschwangerschaft eine sichere und sinnvolle Ergänzung anderer vorbereitender Methoden ist. (1) (2) (3) (4) (6)

Das schlussfolgere ich auch, denn weniger Einleitungen und weniger Wehenverstärker bedeutet wiederum: sanftere, schmerzärmere – spontane – Geburten!

Datteln vor, während und nach der Geburt? Immer her damit.

Postpartale Blutungen – übermäßiger Blutverlust nach der Geburt – sind eine der Hauptkomplikationen nach der Geburt. Wenn sich die Plazenta ablöst, zieht sich die Gebärmutter normalerweise zusammen, um die Blutung zu stillen. Wenn dies jedoch nicht der Fall ist – und die Gebärmutter keinen ausreichenden Muskeltonus hat – kann es unangenehme bis schwerwiegende Folgen haben. Es wird also medikamentös eingegriffen, um den Blutverlust abzuschwächen. Aber auch das kann wiederum nicht so feine Nebenwirkungen haben und im schlimmsten Fall kann es bis zur Operation kommen.

Nun haben sich ein paar Forscher die interessante Frage gestellt: Wenn Datteln offenbar solche Geburten-Wunderwuzzis sind – wie wirken sie sich dann auf postpartale Blutungen aus? (Okay, vermutlich haben sie die Frage ursprünglich etwas anders formuliert…)

Glücklicherweise haben sie eine Studie ins Leben gerufen, um genau das herauszufinden. Unmittelbar nach dem Heraustreten der Plazenta erhielten Frauen einmalig etwa fünf Datteln oder – die Kontrollgruppe – eine intramuskuläre Dosis Oxytocin. Dann haben die Forscher einfach das Blut – den Wochenfluss – der Wöchnerinnen in beiden Gruppen gesammelt. Kein schöner Job, aber you do what you gotta do

Und welche Gruppe von Frischmamis hat weniger Blut verloren? Die Dattel-Esserinnen oder die Oxytocin-Gespritzten?

Die Studie kommt zu dem Ergebnis: Insgesamt war der durchschnittliche Blutverlust drei Stunden nach der Entbindung in der Dattelgruppe um etwa 60 ml geringer, als in der Oxytocingruppe! Klingt nicht nach viel? 60 Milliliter in 3 Stunden machen definitiv einen Unterschied – die Dattel-Esserinnen haben signifikant weniger Blut verloren, als die Oxytocin-Gespritzten! Und das ganz ohne die Nebenwirkungen von medikamentösen Eingriffen. (5) Hurra Pflanzenpower!

Ist es nur in unserem Kopf? Nein!

Nun könnte man sagen: Das ist ja nur Placebo. Ich sage: Und was wäre so schlimm daran? Immerhin ist der Placebo-Effekt ein mächtiges Instrument, über das Jede*r von uns verfügt. Es ist mittlerweile erwiesen, dass wir mit unseren Gedanken einen erheblichen Einfluss auf unseren gesundheitlichen Zustand nehmen. Und auch für eine schöne Geburtserfahrung ist der Einfluss der mentalen Einstellung letztendlich mitentscheidend.

Dennoch ist es eine interessante Frage: Haben Dattel-Esserinnen einfach nur an deren Wirkung geglaubt und deshalb leichtere Geburten gehabt?

Zur Untersuchung, ob die Auswirkungen der Datteln auf postpartale Blutungen nur ein Placeboeffekt sind, existiert eine Doppelblindstudie – also eine placebokontrollierte Studie. Von Frauen, die gerade in ihre aktive Wehenphase eintraten, erhielt eine Gruppe einen Dattelsirup, eine weitere Gruppe einen optisch identen Placebosirup und eine Kontrollgruppe erhielt gar keinen Sirup.

Und die Ergebnisse sind super spannend: Der Wehenfortschritt war in der Dattelgruppe beschleunigt und die Wehendauer kürzer (etwa 2 Stunden kürzer), als in der Kontrollgruppe! Für mich steht fest: Sollte ich noch ein Kind bekommen, steht „Ein Stamperl Dattelsirup vorbereiten“ jedenfalls auf der To-Do-Liste meines Freundes.

Und noch eine interessante Info am Rande: Die Geburten der Frauen, die den Placebosirup eingenommen haben, waren übrigens auch von kürzerer Dauer – ganz nebenbei ein Beweis für den Einfluss unserer Gedanken auf den Geburtsverlauf.

Also wiederum: kürzere Geburtsdauer und effektivere Wehen bei Dattelesserinnen. Und das ohne Placeboeffekt. (2)

Bleibt nur noch die Frage: Warum?

Warum wirken Datteln so positiv auf Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett? So ganz kann ich es euch nicht beantworten, aber ich gebe mein bestes:

Die Dattelfrucht ist zuallererst reich an Kohlenhydraten – Einfachzucker, die von den Zellen schnell aufgenommen und verarbeitet werden können. Nun, das ist ein bisschen widersprüchlich, oder? Wir wollten in der Spätschwangerschaft doch eigentlich auf Zucker verzichten! Offenbar überwiegen in diesem Fall die positiven Effekte der Datteln – die ja doch weitaus komplexer und nährstoffreicher sind, als weißer Industriezucker.

Datteln enthalten des Weiteren Vitamin B, Eisen, Kalzium, Magnesium, Kalium und ungesättigte Fettsäuren wie Öl-, Linol- und Linolensäure. Diese Fettsäuren tragen wiederum zur Energie- und Prostaglandinversorgung bei. Dies unterstützt offenbar die Kräftigung der Gebärmuttermuskulatur. Außerdem enthalten Datteln Studien zufolge Hormone, die der Gebärmutter helfen, sich zu dehnen und durch die Stimulation von Oxytocin-Rezeptoren auf die Geburt vorzubereiten. (2)

Klingt alles etwas komplex und so wirklich verstehe ich den Effekt von Datteln jetzt noch immer nicht – dazu müsste man wohl eher Phyto-Chemikerin sein… Aber die eigentliche Nachricht lautet unterm Strich: Datteln wirken!

Wie die Geburt verläuft, wird von sehr vielen Faktoren beeinflusst. Durch den Verzehr von Datteln kannst du jedenfalls – wissenschaftlich erwiesen – einen positiven Einfluss auf deinen Geburtsverlauf nehmen. Und das ist ja schon mal ein gutes Gefühl, oder?

Also: Spread the word! Und falls ihr gerade Schwangere kennt, die schon schön rund sind – schenkt ihnen doch eine große Box dicke, fette Medjool oder Sukkary Datteln!

Studien:

(1) The Effect of Late Pregnancy Consumption of Date Fruit on Cervical Ripening in Nulliparous Women. Kordi, Meybodi, Tara et al. JMRH, 2014.

(2) The effect of oral honey- date syrup intake during labor on labor progress of nulliparous women. Kordi, Nasiri, Safarian et al. The Iranian Journal of Obstetrics, Gynecology and Infertility. 2010.

(3) Die medikamentöse Geburtseinleitung: Spiegelbild der aktuellen Geburtshilfe zwischen Evidence-based Medicine, klinischen Empfehlungen und Wunsch der Schwangeren. Rath, Zahradnik. Geburtshilfe Frauenheilkd. 2004.

(4) The effect of late pregnancy consumption of date fruit on labour and delivery. Al-Kuran, Al-Mehaisen, Bawadi et al. J Obstet Gynaecol. 2011.

(5) Comparing the Efficacy of Dates and Oxytocin in the Management of Postpartum Hemorrhage. Khadem et al. Shiraz E-Medical Journal. 2007.

(6) Date fruit consumption at term: Effect on length of gestation, labour and delivery. Razali et al. J Obstet Gynaecol. 2017.